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Krakauer Platz der Helden des Ghettos gewinnt Urban Quality Award


Der Platz der Helden des Ghettos in Krakau - Mahnmal, Kunstwerk und ein lebendiger öffentlicher Raum zugleich - wurde am 29. November 2011 in Frankfurt am Main mit dem Urban Quality Award 2011 ausgezeichnet. Den zweiten Platz belegten gemeinsam der Klagesmarkt / Goseriede, Hannover City 2020+ und der Park am Gleisdreieck in Berlin. Mit einer besonderen Anerkennung wurde darüber hinaus das Lesezeichen Salbke, eine Open Air-Bibliothek in Magdeburg, gewürdigt.

Seit 2006 vergibt die Eurohypo AG alljährlich den Urban Quality Award an beispielhafte Projekte zukunftsfähiger Stadtentwicklung. Als eine der führenden Banken für gewerbliche Immobilienfinanzierung sieht sich die Eurohypo in einer besonderen Verantwortung, zur Qualität des urbanen Lebens und zur Zukunftsfähigkeit unserer Städte beizutragen. Der Urban Quality Award wurde in 2011 für Projekte aus Deutschland, dem Stammland der Eurohypo, und Polen als einem ihrer Kernmärkte geöffnet. Den mit insgesamt 50.000 Euro dotierten Preis vergibt die Eurohypo an Projekte, die die besten Antworten auf die ökologischen, ökonomischen, demografischen und sozialen Fragen einer zukunftsfähigen Stadt geben.

Im Rahmen der feierlichen Preisverleihung im Westhafenpier Frankfurt sprach der frühere Kulturstaatsminister Prof. Julian Nida-Rümelin als Gastredner über die Philosophie der Urbanität. „Unter „Urbanität“ sollten wir nichts anderes verstehen als die Ethik der Stadt“. In seinem Vortrag setzte er sich mit Fragen auseinander, unter welchen Bedingungen unterschiedliche Lebensformen und Kulturen in der Stadt gedeihlich möglich sind. Städte seien, sagte er, „durch kulturelle Differenzen und Unterschiede der Lebensformen geprägt und dies übrigens nicht nur durch Migration, sondern auch dadurch, dass sich unterschiedliche Lebensformen, die auch mit dem sozioökonomischen Status oder mit bestimmten Wertorientierungen zusammenhängen, in einer Stadt so miteinander verbinden können lassen müssen, dass die Stadt nicht auseinander fällt, dass es aber auch nicht an den Grundregeln des Respekts und der Anerkennung fehlt.“ Stadtplanung muss all das miteinander vereinbaren.

Insgesamt 90 Projekte wurden eingereicht. Davon nominierte die Jury vier Projekte für eine Shortlist.

Die unabhängige Jury des Urban Quality Award 2011 bildeten:

Prof. Sophie Wolfrum von der Fakultät für Architektur der TU München

Prof. em. Klaus Daniels, München, TU Darmstadt, Fachbereich Architektur, Entwerfen und Gebäudetechnologie

Dr. Krzysztof Domaradzki, Architekt und Stadtplaner, Warschau

Ewa Porebska, Chefredakteurin Architektura-murator, Warschau

Robert Schäfer, München, Chefredakteur Garten+Landschaft und Topos, vertreten durch Tanja Gallenmüller, Redakteurin Topos.


Die Vorauswahl aus den 90 eingereichten Projekten traf ein Team unter Prof. Sören Schöbel-Rutschmann von der TU München.

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Die Platzierung des Urban Quality Award 2011 lautet wie folgt:

Erster Preis – 25.000 Euro
Plac Bohaterów Getta/Platz der Ghettohelden/Heroes of the Ghetto Square

eingereicht durch:
Biuro Projektów Lewicki Łatak, Krakau

Bauherr:
Stadt Krakau

Der Plac Bohaterów Getta (Platz der Ghettohelden), ehemals Zgody Platz, ist ein Beispiel für eine mutige, zeitgenössische Gestaltung an einem Ort, dessen Geschichte geprägt ist vom tragischen Schicksal der Krakauer Juden während des Zweiten Weltkriegs. Im Stadtteil Podgórze gelegen, der 1941 unter den Nationalsozialisten zum Krakauer Ghetto wurde, diente der Platz ab 1942 als Sammelplatz für Tausende von Menschen, bevor sie deportiert wurden. Historische Fotos zeigen Ghettobewohner auf ihrem Weg zum damaligen Zgody Platz, mit ihrem letzten Hab und Gut unter den Armen. Um an die Geschichte des Platzes zu erinnern, entschied sich die Stadt 2005 zur Neugestaltung. Statt ein Denkmal aufzustellen, schufen die Krakauer Architekten Piotr Lewicki und Kazimierz Łatak einen Platz, der selbst Denkmal ist. Die Gestaltung ist inspiriert durch die historischen Fotos und Zeitzeugenberichte. In einem Raster von 5 x 5 Metern platzierten die Planer neben anderem Stadtmobiliar überdimensionierte Stühle aus Bronze, die an die zurückgelassenen Möbelstücke und somit an das Schicksal der Krakauer Ghettobewohner erinnern sollen.


Zweiter Preis – 10.000 Euro
Park am Gleisdreieck, Berlin

eingereicht durch:
Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin

Bauherr: Land Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, vertreten durch die Grün Berlin GmbH

Projektbeteiligte:
Breimann Bruun Simons, Landscape Engineering GmbH, Berlin
Ökologie und Planung Dr. Markstein, Ökologische Beratung, Berlin
Müller Kalchreuth, Planungsgesellschaft für Wasserwirtschaft mbH, Berlin
Ingo Acker, Ingenieurbüro für Elektro- und Kommunikationstechnik, Berlin

Im September diesen Jahres wurde der Ostteil des neuen „Park am Gleisdreieck“ eröffnet. Bis 2013 wird auf dem ehemaligen Gelände des Anhalter- und Potsdamer Güterbahnhofs im Zentrum Berlins ein insgesamt 36 Quadratmeter großer innerstädtischer Park entstehen, der das jahrzehntelang brachliegende Areal wieder nutzbar macht und die angrenzenden Stadtteile miteinander verbindet. Die Landschaftsarchitekten, das Berliner Atelier Loidl, inszenieren mit ihrer Gestaltung die vorgefundenen räumlichen Besonderheiten des Geländes: Zum einen die Weite, die durch die Größe des Geländes von beinahe landschaftlichem Maßstab und seine durch die Bahnnutzung um vier Meter erhöhte Lage gegenüber dem Stadtniveau gegeben ist. Zum anderen die historischen Relikte des ehemaligen Bahngeländes. Ein Rahmen aus bestehenden Gehölzgruppen und Einzelbäumen bilden die landschaftliche Kulisse des Parks und bietet unterschiedliche Aufenthaltsräume und Spiel- und Sportflächen. Jeder Besucher soll dort seinen Lieblingsort finden können. Das Herz des Parks besteht aus zwei großen Rasenflächen sowie blühenden Wiesenbereichen. Sowohl im östlichen als auch im westlichen Parkbereich wird durch den Kontrast zu dem kleinteiligen, baumbestandenen Rahmen der Eindruck von Weite verstärkt. Neben dem über 50 Jahre alten Wäldchen und anderen historischen Relikten werden weiterhin zwei Gleisstränge durch die Rasenflächen erhalten, so dass die Parkbesucher regelmäßig die Museumsbahn des angrenzenden Deutschen Technikmuseum Berlin durch den Park fahren sehen können.


Zweiter Preis – 10.000 Euro
Klagesmarkt/Goseriede, Hannover City 2020+

eingereicht durch:
jbbug, johannes böttger büro urbane gestalt Landschaftsarchitekten, Köln

Bauherr:
Landeshauptstadt Hannover, Stadtbaurat Herr Uwe Bodemann

Projektbeteiligte:
ASTOC Architects and Planners, Köln
BPR Dipl.-Ing. Bernd F. Künne & Partner, Beratende Ingenieure, Hannover

Der Entwurf zur Neugestaltung des Klagesmarkt in Hannover ist ein Teilergebnis des internationalen Wettbewerbs Hannover City 2020+ aus dem Jahr 2009. Ziel des von der Stadt Hannover ausgelobten Wettbewerbs war der gleichnamige Masterplan für eine langfristige und übergeordnete Entwicklungsstrategie weg von der autogerechten hin zu einer lebenswerteren und nachhaltigeren Stadt. Grundidee des Entwurfs für den Klagesmarkt und Goseriede von johannes böttger, ASTOC und BPR ist es, den vorhandenen öffentlichen Raum neu zu ordnen und seine einzelnen Elemente stärker wahrnehmbar zu machen. Dies soll durch eine klare Definition der unterschiedlichen öffentlichen Räume geschehen – funktionale und qualitätvoll gestaltete Verkehrsflächen einerseits sowie nutzbare Plätze und Grünflächen andererseits. Neben der Aufwertung bestehender Freiflächen sollen u.a. durch Verringerung des Straßenquerschnitts Goseriede und den Rückbau des Kreisverkehrs in der Cellerstraße/Goseriede zur T-Kreuzung mehr Räume für Fußgänger und Radfahrer entstehen. Unterschiedliche Freiraumtypologien wie ein Fahrradboulevard, zwei Stadtplätze, ein Marktplatz am Klagesmarkt, die dreiecksförmige zentrale Grünfläche und der als Park angelegte alte Nikolai-Friedhof bilden eine wichtige Verbindung unterschiedlich nutzbarer öffentlicher Räume im Zentrum Hannovers. Eine klare Fassung der neu gestalteten Freiräume entsteht u.a. durch die geplante Bebauung des großen Parkplatzes am Klagesmarkt mit einem Büro- und Wohnkomplex.


Besondere Anerkennung – 5.000 Euro
Lesezeichen Salbke – Freiraumbibliothek, Magdeburg

eingereicht durch:
KARO* architekten, Leipzig mit Architektur+Netzwerk, Magdeburg

Bauherr:
Landeshauptstadt Magdeburg

Projektbeteiligte:
Bürgerverein Salbke, Fermersleben, Westerhüsen e.V. (Projektpartner)

Michael Kurt, Leipzig (Tragwerksplanung)
Jürgen Meier, architektur&medien, Leipzig (Lichtkonzept)

Das Grundstück der Freiraumbibliothek im Magdeburger Stadtteil Salbke liegt im Zentrum des ehemaligen Fischerdorfes, dessen große Industriegebiete aus der Gründerzeit in den 1990er Jahren nach und nach aus der Nutzung fielen. Mit dem Wegfall der Arbeitsplätze ging der Wegzug der Bewohner einher, seither steht Salbke für Schrumpfung. Bereits Ende der 1980er Jahre brannte die örtliche Bibliothek nieder und wurde nicht mehr ersetzt. Schon vor seiner wirtschaftlichen Grundlage verlor der Stadtteil damit sein kulturelles Zentrum. Die strategische Lage der langjährigen Brache und ihr Erinnerungswert als Bibliothek erschien den Planern der Freiraumbibliothek, KARO* Architekten aus Leipzig, als besonders geeignet, um einen Erneuerungsprozess in Gang zu setzen. Von Anfang an wurde die Bevölkerung in die Planung- und Realisierung der Freiraumbibliothek einbezogen, mit Workshops sowie Material- und Buchspenden. Die ursprünglich temporär angelegte Installation aus Bierkisten kam bei den Anwohnern so gut an, dass sie die Idee als informelle Bürgerbibliothek in eigener Regie fortsetzten. 2006 wurde das Projekt als Modellvorhaben in ein ExWoSt-Forschungsprojekt (ExWoSt = Experimenteller Wohnungs- und Städtebau) des Bundes aufgenommen und so seine Finanzierung als dauerhafte Einrichtung gesichert. Die Gestaltung der 2009 fertiggestellten Freiraumbibliothek basiert auf der Idee der Bürger eines „Grünen Wohnzimmers“, das geschützt vor dem Straßenlärm eine Ruhezone im Stadtteil bieten soll. Zur Straßenseite hin schützt nun eine Fassade aus recycelten Aluminiumformteilen mit modernistischer Ornamentik – ehemalige Fassadenelemente des Horten-Kaufhauses in Hamm – vor Lärm, eine vertikale Lärchenholzlattung mit Sitznischen und einer 30 Meter langen Bank bildet die Seite zum mit Rasen begrünten Freiraum. Die integrierten Bücherregale sind nicht verschlossen, die Bücher können auf Vertrauensbasis rund um die Uhr ausgeliehen werden.

Ihre Ansprechpartnerin

Imke Schiller

Senior-Referentin Öffentlichkeitsarbeit und CSR

T: +49 (0)69. 2548-2 14 29

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